Deidesheimer Resolution

Die in Deidesheim an der Weinstraße am 31. August 1974 versammelten Delegationen der Weinbruderschaften des deutschsprachigen Raumes verpflichten sich, dem Kulturgut Wein zu dienen, indem sie es hüten, pflegen und nach besten Kräften zu vermehren suchen.

Die Weinbruderschaften sind bestrebt, alle Personen und Personengruppen, die auf künstlerischem und schriftstellerischem Gebiet für den Wein und seine kulturellen Werte tätig sind, zu unterstützen.

Die Weinbruderschaften treten ein für den ehrlichen, sauberen Wein, der herkunfts-, Sorten- und jahrgangstypisch ist, und verurteilen jede durch kellertechnische Maßnahmen bewerkstelligte Uniformierung des Weines sowie dessen übertrieben unnatürliche Süßhaltung. Sie sehen ein, dass gewissen Toleranzen des Weinmarktes Rechnung zu tragen ist. Diese dürfen aber nicht so weit gehen, dass der Charakter des Weines eines Gebietes und seine Spezialität darunter leiden.

Die Weinbruderschaften bemühen sich, die Beurteilung und das Verstehen des Weines in den eigenen Reihen zu vertiefen und durch ihr Wirken nach außen auf möglichst breiter Basis zu fördern.

Die Weinbruderschaften stellen sich ganz entschieden gegen Zusammenschlüsse von Kundengruppen, die auf Initiative von Erzeuger- oder Vermarktungsunternehmen veranlasst wurden und unter dem Namen "Weinbruderschaft" (oder ähnlich) firmieren. Gleichermaßen wird energisch dagegen protestiert, dass Personengruppen, die sich zum Zweck des gemeinsamen Weineinkaufs oder unterhaltender Weinverkostung zusammenschließen, die Bezeichnung "Weinbruderschaft" führen. In allen Fällen dienen diese Interessengemeinschaften rein kommerziellen Zwecken, was mit der idealistischen Zielsetzung unserer Weinbruderschaften nicht zu vereinbaren ist.

Die anwesenden Delegierten der Weinbruderschaften des deutschsprachigen Raumes verpflichten sich, auch in Zukunft engsten Kontakt zu halten und sich nach bestem Wissen und Können gegenseitig zu helfen.

Deidesheim, 31. August 1974

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